SdGcK: 34. Das Schwert ist hundert Waffen überlegen 剣為百兵之秀

Damit wird gesagt, dass das Schwert unter allen Waffen die hervorragendste ist. Das Schwert ist eine Waffe, welche schon im chinesischen Altertum bekannt war, und charakteristisch für die Kurzwaffen.
Der Überlieferung zufolge heißt es im Guanzi (管子), Kapitel Di shu (地数):
"In den Bergen von Gelu regnete es, Wasser trat hervor und brachte Gold mit sich. Chiyou sammelte es und fertigte Schwerter, Rüstungen, Lanzen und Speere."
Als Regen in den Bergen von Gelu Gold auswusch, wurde dies also von Chiyou dazu verwendet, um erstmals Schwerter und andere Waffen herzustellen.
Dabei handelt es sich um den Anfang von Waffen aus Metall, wobei gegenwärtige archäologische Ausgrabungen Schwerter aus Bronze zutage gefördert haben, welche sich bis in die Yin-Zeit (ca. 1400-1027) zurückverfolgen lassen.
Weiterhin heißt es im Zhuangzi:
"Das Schwert des gemeinen Mannes hat wirres Haar, Locken, die sich an den Schläfen kräuseln, schrägsitzende Kappen mit einfachen Kinnbändern, Mäntel, die hinten zu kurz sind, glühende Augen und eine freche Rede. Es duelliert sich vor euren Augen; nach oben schneidet es Hals und Nacken durch, nach unten durchbohrt es Leber und Lungen. Das ist das Schwert des gemeinen Mannes." [Mair/Schuhmacher, Zhuangzi, 2008, S.355]
Das heißt während der der Frühlings- und Herbstzeit sowie der Streitenden Reiche (770 bis 222 v. Chr.) hatte sich das Schwert bereits als eine voll ausgebildete Waffe etabliert, und es wurden bereits große Entwicklungen in der Schwertkunst gemacht.
Da die Geschichte des Schwertes alt ist, hat auch die Entwicklung der Schwerttechniken eine lange Geschichte hinter sich. Dies trifft besonders für die alten Gebiete Wu und Yue zu (heutiges Zhejiang und Jiangsu).
Berühmte, legendäre Schwerter wurden von Gan Jiang (干将) und Mo Xie (莫邪) hergestellt; und der berühmte Schmied Ou Yezi (欧冶子) fertigte fünf herausragende Schwerter für den König von Yue und drei herausragende Schwerter für den König von Chu an. Diese Schmiede stammten alle aus der Gegend Wu und Yue.
In den 1960er-Jahren gab es archäologische Entdeckungen in Jiangling (Hubei). Dabei fand man das Schwert des Königs Goujian (496-465 v. Chr.), welches das hohe Niveau der damals angefertigten Schwerter belegt.
Die Blütezeit des Einsatzes des Schwerts auf dem Schlachtfeld war von der Frühlings- und Herbstzeit bis zur Han-Zeit; danach übernahm der Säbel als Kurzwaffe die Führung im Gefecht, während das Schwert fast nur noch zu dekorativen Zwecken getragen wurde.
Das Schwert wurde für die Krieger zu einem Symbol der Macht und für die Gebildeten zu einem Symbol der Würde. Auch der Schwerttanz (剣舞) gelangte zur Entfaltung.
Im Jahr 206 v. Chr. fand das historisch berühmte "Testmahl am Saatgans-Tor" (鴻門の会) von Liu Bang aus Han und Xiang Yu statt. Dabei sollte Xiang Zhuang [der Cousin von Xiang Yu] während eines Schwerttanzes versuchen, Liu Bang zu ermorden und die Spannung der Situation nahm dramatisch zu. Jedoch gesellte sich Xiang Bo dem Schwerttanz bei und blockierte dabei unauffällig alle Schwertstiche von Xiang Yu in Richtung von Liu Bang.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Schwert dann von einer praktischen Waffe für den Kampf zu einem charakteristischen Symbol der Gebildeten. Zusammen mit der Zither, dem Schachspiel und der Schreibkunst sprach man dabei von den vier Schätzen eines Gebildeten.
Auf diese Weise hat das Schwert zwar seine Rolle als brutale Waffe verloren. Aber durch die Akrobatik, Anmut und Agilität des Schwertgebrauchs in den heutigen Vorführungen und seine lange Geschichte ist keineswegs falsch zu sagen, dass "das Schwert hundert Waffen überlegen ist".

